Happy Schnitzel

I know what you’re about.

November 15, 2009 · Kommentare sind deaktiviert

drop

Mit dir zu reden ist wie gegen eine Wand zu sprechen, eine Wand, die gelegentlich antwortet, es klingt teilweise interessiert, kommt aber nicht an in deinem Zement. Du bist eine fest verputzte Wand, eine, an die man mit einem Edding oder einer Dose Sprühfarbe seine Spuren hinterlassen könnte, aber nie mit meiner Stimme. Dass ich es immer wieder versuche, hinzureden und schönzureden, das ist ein Relikt aus den vermeintlich guten Zeiten, in denen wir beide über die gleichen Dinge sprachen und uns noch meinten. Wir meinten uns wirklich. Und doch, du bist mehr als eine alte Gewohnheit, mehr als ein Reststück aus der Vergangenheit, auch wenn ich nicht sagen kann, was genau. Die meisten Konversationen zwischen uns klingen immer, als wäre das unser letztes Gespräch, aber du verabschiedest dich nie. Du schleichst dich aus unseren Unterhaltungen, wie aus meinem Leben, als würde ich es dann nicht merken. Auffällig unauffällig. Jedes Mal stehe ich da, versuche nicht hinzusehen, wenn du gerade versuchst, die Schuhe anzuziehen, leise, damit ich es nicht mitbekomme. Jedes Mal nehme ich mir vor, nicht als Erster zu blinzeln. Dich gehen zu lassen. Es dir dabei richtig einfach zu machen. Mich nie wieder zu melden.

Und dann ist es die heile Welt, in der wir in Hütten sitzend Flanellpyjamas tragen und überdimensionale Bratenstullen verzehren, unserekleinefarmig und schön, nur nicht so spießig. Ich bin dein Einmannkasperlepuppentheater, eine Aneinanderreihung schillernder Wortwitze, um dein raumfüllendes Lachen zu hören. Wenn du lachst, klingt es, als würde etwas in dir explodieren, etwas Schönes, etwas Großes. Ein Geräusch, das süchtig macht. Wenn ich lache, klingt es wie eine Mischung aus einem Maschinengewehr und Flipper. Zusammen klingen wir wie ein Bombenangriff auf Sealife, nur mit guten Pointen. Unerträglich für die Umwelt, viel zu viel von allem. Genau richtig also. Du fehlst mir schon, während du noch deine Schnürsenkel bindest, auffällig unauffällig.

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November 13, 2009 · 3 Kommentare

s746

100 % Nickihosenfrieden. Mit passendem Nickihosensoundtrack.

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Consider it all, first.

November 12, 2009 · 1 Kommentar

d

Man kann aus Mettwurst kein Marzipan machen. Sagt der Großmeister der Alltagsweisheiten. Wieso man das überhaupt sollte. Mettwurst ist weitaus sympathischer als Marzipan, wer mag schon Marzipan? Nicht in den kleinen Schichten im Dominostein, die Rohmasse, ohne Schokoladenschutz. Und doch, wenn man vor die Wahl gestellt würde, ein ganzes Kilo Mettwurst pur oder ein Kilo Marzipanrohmasse zu essen – es ginge um etwas, etwas Wichtiges, denn in Gedankenexperimenten, da muss es immer um wichtige Dinge gehen, das ist die Grundvoraussetzung – was wäre es dann? Nicht wirklich wichtig in der Realität, einerseits. Andererseits verdienen die Dinge, zu Ende gedacht zu werden. Meistens kommt man nicht dazu. Angedachte Gedanken liegen in den Hirnwindungen wie angekaute Brezenstücke, nach ein paar Tagen oll und hart, Entenfutter ohne Zugang zu hungrigen Enten. (Gibt es das eigentlich, unhungrige Enten? Können die nicht immer essen? Ich kenne nicht sehr viele Enten persönlich.) Bei der nächsten Gelegenheit sollte man sich die Zeit nehmen, alles zu Ende zu denken, all die angehäuften Gedankenpartikel, die rauen und die weichen, die groben und die feinen, die zähen und die geschmeidigen, damit nichts übrig bleibt, kein Bodensatz am Hirneingang. Und auch keine Mettwurst.

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It will steal your innocence, but it will not steal your substance.

November 9, 2009 · Kommentare sind deaktiviert

s081

Ein Lachen, dein Lachen. In der Zwischenzeit bin ich das noch, und ich bin es nicht mehr. Was es mit einem macht, dieses Kaumessen und Schlechtschlafen, Augenringe und sieben Kilo weniger, so dass einen die besten Freunde nach einigen Wochen kaum noch erkennen. Dass man die meisten Dinge ohne großen Verlust in einen Kleidersammlungssack steckt. Dass man manchmal ewig vor dem Spiegel steht und einfach nur schaut, weil man es kann. Dass man niemandes Pummelpuppe mehr ist, und auch erst recht niemands Wonneproppen. Dass ich mich von so vielen Dinge verabschiede, von der Lebensphase, von ominösen Luftschlössern, dem Sommer und dem Lachen, diesem grenzdebilen, allumfassenden Lachen.

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To make the noise that I kept so quiet.

November 4, 2009 · Kommentare sind deaktiviert

wasman

Man tut, was man kann. Meistens reicht es nicht, oder es fühlt sich wenigstens so an. Dass es nie reicht, weil man nicht zu denen gehört, die sich einfach so zufrieden geben, egal mit was. Höher, schneller, weiter, besser, mehr von allem. Ist schon mehr? Könnte noch mehr sein. Die Phasen, in denen das Mehr übersprudelt wie die vergessene Milch auf dem Herd, so viel, dass man sich daran gewöhnt und denkt, das könnte jetzt immer so sein. Die Ernüchterung, wenn man sich im Untendrunter wiederfindet. Below the line, das ganze Jahr über, eins von denen, an die man sich später nicht mehr so richtig erinnern wird, retrospektiv sehen diese Jahre immer anders aus, beschönigt. Solche Jahre will man nicht gehabt haben, man war kaum dabei. Dass die Etappenziele, wegen derer man nicht schlafen konnte die ganze Zeit, alle nach und nach bezwungen sind. Irgendwie mit Happy End, erfolgreich, von außen. Innen die Leere, gefüllt mit den ungesagten Sätzen an die unvertragenen Menschen, weil man sich in Emails nie ausspricht. Die, die ich mit mir rumtrage wie die vermeintlichen Geister in einem  leer stehenden Haus. Die Mauer geht immer hoch, bevor ich überhaupt irgendetwas von Bedeutung gesagt hätte, als würde das alles nichts bedeuten. Als würde mir das alles nichts bedeuten. Noch nie hat irgendwas nichts bedeutet. Die Sätze, die eigentlich euch gehören, ich hebe sie auf, eine Weile noch zumindest. Ich hebe sie auf. Irgendwann bahnen sie sich ihren Weg nach draußen, an einen völlig anderen Ort, in einem anderen Zusammenhang, am Ende werde ich darüber lachen, als hätte das alles nichts bedeutet, eine schlechte Angewohnheit. Bis dahin hebe ich sie auf. Man tut schließlich, was man kann.

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Broken Flowers.

Oktober 25, 2009 · Kommentare sind deaktiviert

f

Jedem einzelnen Strauß beim Verwelken zusehen, als ginge das sowieso nicht schon schnell genug. Den Weg nicht ganz heil überstanden, kleine Einrisse am Rand. Was einem das sagen soll. Diese Tage und Wochen, die nichts übrig lassen, nichts Nennenswertes. Eine Aneinanderreihung kleiner Ausflüge, in denen man in eine Betonmischmaschine springt und wider jeglicher Gesetzmäßigkeit versucht, eine Runde nach der anderen in der zähen Masse zu schwimmen. Wie lange man das so machen kann. Eine Weile noch, zumindest.

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Yesterday I got lost in the circus.

Oktober 11, 2009 · Kommentare sind deaktiviert

h1

h2

Zwischenzeitlich aus Versehen zum Sonntagsblogger geworden. Digital auf der rechten Spur der Datenautobahn höchstens 80 fahrend, weil die Tage immer länger und die Nächte kürzer werden. Unabhängig von der Dunkelheit, manchmal ist der Tag mehr lang als das Licht hell ist. Dazu die großen Umwälzungen und die Sehnsucht nach einem Garantieschein. Zwei Jahre Reklamation möglich auf alle getätigten Entscheidungen, Rückzahlung der Lebenszeit all inclusive. Dass einen etwas so determinieren könnte, auf Dauer, obwohl etwas determinierter sein eigentlich eine gute Sache wäre. All die Konjunktive, wenn man zu viel Zeit hat, um über alles nachzudenken. Immer bleiben die Dinge hellschwarz oder dunkelweiß, aber niemals grau, denn grau, das ist eine Farbe für andere. Als Mann Mitte 40, mit einem Bauchansatz und kleinen Geheimratsecken, ich kaufte mir einen sportlichen Wagen und setzte mir eine lächerlich jung wirkende Blondine auf den Beifahrersitz, wir  würden umher fahren, und alle würden genau wissen, dass ich ihr Vater sein könnte und es doch nicht bin. Dass es mal wieder nur für diese Situation eine solche Lebensentwurfsordnung gibt, problematisch. Es scheitert alles an meiner Nichtmannmittevierzigkeit.

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You carry me along with your load.

September 27, 2009 · 10 Kommentare

lichter

„Hier endet meine Reise zu den Männern. Sie endet bei dir. Mit dir nehme ich Abschied von allen, die mal meine Liebhaber waren und allen, die noch kommen wollten. Kein großer Bahnhof nötig. Du bist mein letzter Mann. Die Reise ist vorbei. Ich bin angekommen.

Mach dir keine Gedanken. Schon gar nicht, warum ich dir dies auf Kassetten spreche. Man soll sie dir vorspielen, solange ich weg bin. So werde ich nicht wirklich weg sein.

Und stör dich nicht daran, dass ich ein Wort so verschwenderisch gebrauche, mit dem du so geizig warst. Ich will dir die Liebe erklären, wie man den Krieg erklärt. Das heißt, die Liebe kann ich dir nicht erklären, nur meine. Ich erkläre sie dir in alten Vokabeln. Es geht nicht anders: Wer liebt, wechselt das Jahrhundert. [...]

Ich sehe dich an. Du am Fenster, ich hier. In meiner Vorstellung sind wir wieder zusammen, hier in unserer Wiener Wohnung. Ich könnte so ruhig sein. Könnte barfuß gehen, dich von hinten umarmen und halten. Du könntest mich später mit deinem Flüstern zum rauschenden Regen in den Halbschlaf schaukeln. Wir könnten weiter ein Leben im Konjunktiv führen, wie es Kinder spielen: Du wärest der Mann und ich die Frau, und du kämst nach Hause und ich würde schon da stehen und wir hätten…

Du fehlst. Du fehlst, dass es schmerzt, unentwegt. Aber eigentlich hast du immer gefehlt. Du warst nie genug. Es ist nie genug.

(Roger Willemsen: Kleine Lichter, Fischer Taschenbuchverlag 2005, S. 5/6)

Wie das ist, wenn einer übrigbleibt, und mit ihm die Gefühle. Ausnahmsweise nicht, weil der andere sich fortgeschlichen hat, und das eigene Herz nun eine miese Gegend geworden ist, sondern weil er im Koma liegt, und Valerie Kassetten für ihn bespricht mit all den Dingen, die sie schon lange sagen wollte. Keine Ahnung, wann mich ein Buch das letzte Mal von Anfang an so berührt hat, mit all den Wahrheiten, den schönen und den nicht so schönen. Keine Ahnung, wann ich das letzte Mal schon auf Seite 40 so sicher war, dass es keine Möglichkeit gibt, dieses Buch nicht zu kennen, und es immer wieder zu lesen. Vermutlich – noch nie.

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1001 rules.

September 20, 2009 · 7 Kommentare

t

Es gibt zwei Formen der Begeisterung, die milde Begeisterung und die wilde Begeisterung. Die milde Begeisterung ist ein warmes Lächeln, wenn ein Plan funktioniert, und die Dinge sich plötzlich gedreht haben. Die wilde Begeisterung ist ein spontanes emotionales Flammenmeer, weil da etwas ganz Großartiges ist, das einem da in den Weg stolpert. So wie 1001 rules for my unborn son – Let’s get some things straight before I get old and uncool, ein wahnsinnig sympathisches Projekt, das nicht nur für ungeborene Söhne ganz großartige Regeln und sehr schöne Bilder parat hält. Manche dieser Regeln möchte man sich direkt in ein Kissen sticken, um sie nie wieder zu vergessen. Bevor das dazugehörige Buch da ist, das man sich wie eine zweite Bibel auf den Nachttisch stellen kann, hier schon mal ein paar Regeln zum Auswendiglernen:

121. Men should not wear sandals. Ever.

127. Know her dress size. Don’t ask.

133. On stage is no time to be shy.

335. If you’re good at something, never do it for free.

355. Never request a joke or an impression. They’re never as good on command.

367. You marry the girl, you marry her whole family.

376. If you need music on the beach, you’re missing the point.

378. It’s not a gang without the cool girl.

389. After writing an angry email, read it carefully. Then delete it.

→ 7 KommentareKategorien: Empfehlung · Leben

The one and only Twitterlesung #ffm09.

September 13, 2009 · 3 Kommentare

Was für ein Abend. Mit kleinen Anlaufschwierigkeiten und verspäteten Flugzeugen, dem einen oder anderen eher speziellen Moment – aber auch ganz vielen großartigen Momenten und grandiosen Begegnungen. Diese Menschen aus dem Internet, man stellt sie sich ja immer irgendwie vor, und manchmal sind sie dann noch viel toller in Echt. Am Ende sind es diese Menschen, die das Internet ausmachen. Die sozusagen das Social in Social Media putten.

Ein guter Moment, um nochmal Danke zu sagen – dem Publikum; allen Menschen, deren großartige Tweets wir an diesem Abend vorlesen konnten; Nils für die tolle Organisation, den Mobile Sessions für die freundliche Unterstützung, die diesen Abend für uns erst möglich gemacht hat; Heiko für die erheiternde Reisebegleitung; und last but not least dem Team – Melanie, Jan-Uwe, Björn und Michael – you made my day. Nicht zu vergessen Paul – für die wahnsinnig schönen Bilder, die vielleicht dafür entschädigen, dass man im Livestream kaum etwas erkennen konnte: So sah es dort also aus.

Update: Mellcolm hat auch noch einen Bericht über unseren kleinen Ausflug geschrieben.

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Overexcited & underprepared.

September 9, 2009 · 4 Kommentare

Tv

Eigentlich wollten wir das gar nicht machen, die Sache da mit der Lesung, in Frankfurt. Aber dann war da diese Idee, und irgendwie hat es sich dann verselbständigt. Jetzt ist das schon übermorgen, und ja, was soll ich sagen. Das letzte Mal, dass ich vor so vielen Menschen gesprochen habe, war 2004, das Lampenfieber war komaverdächtig, trotz damals monatelanger Proben. Diesmal üben wir aufgrund der äußeren Umstände erst auf der Hinfahrt gemeinsam. Der Abend steht also unter dem Motto „Mit Pauken und Trompeten in den Untergang“, für alle Frankfurter live im Nusoul, für ganz Restdeutschland im Livestream ab 21 Uhr. Das wird sowas wie die blonden Mumien von Marbella vom Lästerpotential, wenn ihr wisst was ich meine. Das sollte man nicht verpassen.

→ 4 KommentareKategorien: Empfehlung · Netzwelt

Then.

September 5, 2009 · Kommentare sind deaktiviert

hornby1

hornby2

„My desert-island, all-time, top five most memorable split-ups, in chronological order:

  1. Alison Ashworth
  2. Penny Hardwick
  3. Jackie Allen
  4. Charlie Nicholson
  5. Sarah Kendrew

These were the ones that really hurt. Can you see your name in that lot, Laura? I reckon you’d sneak into the top ten, but there’s no place for you in the top five; those places are reserved for the kind of humiliations and heartbreaks that you’re just not capable of delivering. That probably sounds crueller than it is meant to, but the fact is that we’re too old to make each other miserable, and that’s a good thing, not a bad thing, so don’t take your failure to make the list personally. Those days are gone, and good fucking riddance to them; unhappiness really meant something back then. Now it’s just a drag, like a cold or having no money. If you really wanted to mess me up, you should have got to me earlier.“ (Nick Hornby: High Fidelity, Penguin Books 2000, p. 1)

Solche Sätze auf der ersten Seite rauszuhauen, ohne sein ganzes Pulver zu verschießen, das muss man erst mal machen. High Fidelity ist eins der wenigen Bücher, die schon einige Jahre im Regal stehen, und bei jedem passenden Anlass wieder hervorgeholt werden. Eins der wenigen Bücher, die man jedem guten Freund ins Regal stellen möchte, für die Momente, in denen man selbst nicht da sein kann. Je nach Schweregrad des Geschehens reicht es, die erste Seite zu lesen, oder noch einmal durch die ganze Geschichte zu gehen. Nach einer ganzen Weile der Identitätsstiftung sind die Seiten schon ziemlich abgegriffen, der Buchdeckel schließt nicht mehr. Eine der Geschichten, die das Leben nachhaltig verändert haben, im abgedroschensten Sinne dieses Wortes. Faszinierend, dass manche Bücher das einfach so können, ein Anker sein.

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Ready for the Fall.

August 23, 2009 · Kommentare sind deaktiviert

h1

h2

Wie ein alter Freund, den man nicht mehr so oft sieht wie früher. Den man selten anruft, aber wenn man es tut, ist kein unterdrückter Vorwurf in seiner Stimme, echte Freunde können sich eine Weile nicht melden, ohne nachtragend zu sein. Jeder hat seine eigene Baustelle namens Leben, manchmal müssen da einfach nur die Wände neu gestrichen werden, manchmal ist es eine Mauer, die eingerissen wird. Der Umbau dauert immer an. Auf einmal ist er da, der Herbst, von hinten an den Sommer angeschlichen, in beiden Händen das Versprechen auf einen Neuanfang. Die eigene Zeitrechnung startet jährlich neu im Herbst, das erste Mal mit einer Schultüte. Jedes Jahr dann die nagelneuen Hefte, die noch nie angespitzten Stifte, für tausend neue Geschichten, die es noch zu schreiben gilt, jeder Herbstbeginn der Startschuss, um seine persönlichen 9,58 Sekunden rauszuholen. Weil man es kann, weil man sich aufmacht zu Orten, an denen noch niemand vorher war, oder noch niemand, dem es wirklich wichtig gewesen wäre.

Jedes Sommerende als ein Abschied, ein Rückblick auf die Zeit davor, ein Ausschnitt von dem, was man mitnehmen wird, und die Dinge, die unweigerlich zurückbleiben. Die Handvoll Leute, die einen im letzten Jahr begleitete, man geht ein Stück zusammen oder einfach nur nebeneinander her, bis einer sagt, ach. So viele Gründe, warum Wege sich wieder trennen, dass man sich selbst nicht erinnert. So viele Dinge, die man in der Zwischenzeit wollte, das eigene Leben in Umzugskisten packen, die Stadt verlassen, einen völlig neuen Weg einschlagen. Das erste Bewerbungsgespräch, die Aufregung davor, das Warten danach, die erste Absage. Wie persönlich man das noch nimmt. Den Gefühlsregler bis zum Anschlag aufgedreht, weil man keine halben Sachen mehr macht, nicht halbgar fühlt, sondern alles zwischen Strohfeuer und Waldbrand aushandelt. Mit vollem Einsatz für etwas brennen, weil man nicht mehr mit angezogener Handbremse weitermachen wollte, lieber die Konsequenzen trägt als immer wieder vorher zu bremsen.

Würdest du es genauso machen, das ist die alles entscheidende Frage, und die Antwort lautet: Keine Ahnung. Vielleicht nicht, woher soll man das wissen, man kommt nie zweimal in die gleiche Situation. Am Ende ist das eine müßige Frage, und das einzige, was wirklich hilft, ist immer wieder: Nichts bereuen. Nicht als dahin gesagte hippieske Floskel, in den Raum geworfen, um zu beweisen, dass es schon geht so. Ein Lächeln für all die verwackelten Bilder, auf denen man glücklich aussah, auch wenn es nur genau diesen einen Moment lang gedauert hat. Eine Diapräsentation für all diese Momente, eine leere Leinwand für den nächsten Abschnitt, alles kann, nichts muss, vieles wird.

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Me and King Kong.

August 18, 2009 · Kommentare sind deaktiviert

b1

b2

Drei Schritte zu viel, oder immer drei zu wenig. Als wäre was in den Beinen, eventuell Muskeln und was da sonst noch so drin ist, aber auch irgendwas, das dort absolut nicht hingehört, Wasser vielleicht. Als wäre was mit den Beinen nicht in Ordnung. Man kennt sie nicht anders, sie sind da schon immer einfach so unten an einem dran, sie baumeln von zu hohen Barhockern und tanzen, wenn sich eine günstige Gelegenheit bietet. Dazwischen der Wunsch, die Beine irgendwo hoch zu legen, auf einen fremden Tisch, als wäre man hier daheim, einfach zu bleiben, weil es sich anfühlt, als wäre das schon legitim. Nicht irgendein Tisch. Kein Weglaufreflex, wie so oft, wenn man nicht mal die Schuhe ausziehen möchte, um strumpfsockig über fremdes Parkett zu tapsen. Bis jemand kommt, um einem zu sagen, dass etwas nicht stimmt mit der eigenen Befindlichkeit, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Dabei befindet man sich ja immer irgendwie, befindlich, man kommt dem nicht aus. Aus der Übung, was das Spielen angeht, mit Regeln, die man nicht selbst erfunden hat, und sich nie merken konnte. Nochmal würfeln, noch eine Ereigniskarte ziehen, bis man alle kleinen Häuschen auf den wichtigen Feldern hat. Einfach nochmal, das alles, weil man sich beim ersten Mal vertan hat. Die Schuhe drückten, die Socken rutschten. Der Ernst lag schief. Und überhaupt.

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All eyes attached.

August 4, 2009 · 4 Kommentare

brandhorst10

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brandhorst13

brandhorst15

brandhorst17

brandhorst21

brandhorst23

brandhorst22

brandhorst25

Moderne Kunst, und was sie mit dir macht, zwischen all den Leuten. Dein eigener Moment, du und der Warhol, ein Kopfschütteln, ein Nicken, ein Zucken, ein Schlucken. Ein Lächeln, das dich später ein Plakat kaufen lässt, eine Postkarte für deine Liebsten, um mit dem Finger draufzuzeigen. Einen Schritt nach vorne, du könntest hinfassen, keine Sicherung als der durchschnittliche Anstand würde dich hindern. Außer die Museumswächter, aber eine Minute zu spät. Deine Hand mitten rein, einfach so. Weil du es könntest, ein einziges Mal zumindest.

(Alle bisherigen Bilderserien in der Übersicht hier.)

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