Die letzten Tage lag die gefühlte Körpertemperatur über dem normalen Durchschnitt, man könnte das Fieber nennen – oder auch Wiedersehensfreude. Als ich ihm die Hand gebe, halte ich sie einen Moment zu lange fest, nur um dann erschreckt los zu lassen. Kurz registriert: keine Hände, sondern kleine Schaufeln; kein Ring, perfekt kurze Fingernägel, aber nicht gekaut. Auch der Rest ist hinreißend, die Dinge, die er sagt, sind beeindruckend klug und witzig – dazu sieht er noch gut aus, normalerweise haben die meisten Männer nur zwei dieser Eigenschaften in Hülle und Fülle. Plötzlich krempelt er seine Ärmel hoch, und es ist eine Bewegung wie die legendäre Beinaktion von Kim Basinger in Basic Instinct. Meine Gesichtsfarbe wechselt von Porzellan zu Bratapfel, und wenn es nicht gerade biologisch unmöglich wäre, hätte mein Organismus eine spontane Ovulation ausgelöst. Zu Konzentrationszwecken denke ich kurz an meine Steuererklärung und mache sachliche Gesprächsnotizen, den Stift auf dem Papier in ordentlichen Linien zu führen fühlt sich an wie eine Übersprungshandlung. Der nächste Schluck Wasser ist die Rettung vor dem Verdursten, zum Glück hat keiner was gemerkt. Nach dem Abschied fährt der Reaktor in meinem inneren Kernkraftwerk langsam runter – noch so eine Begegnung, und Greenpeace demonstriert vor meiner Wohnung mit „Atomkraft – Nein Danke!“-Schildern. Die Natur ist doch eine lustige Veranstaltung, immer wieder.
