


Hier zu sein ist ein glücklicher Zufall, beim letzten Besuch habe ich das Konzert irgendwie knapp verpasst. Die Vorband von Norman Palm im Magnet heißt Hundreds – und ist die erste Vorband seit langem, deren Musik mir richtig gut gefällt. Vielleicht ist das die sentimentale Vorfreude, aber die haben ein paar schöne Songs (wenn auch nicht alle auf ihrer Myspace-Seite zu finden sind).
Das Highlight an der Perfomance von Norman Palm ist dann das im Hintergrund passend zu den Songs durchgeblätterte Buch, das er selbst gestaltet hat. Noch nie habe ich eine Person so sehr vermisst wie bei diesem Konzert, ich würde am liebsten jeden einzelnen Song in der Live-Version konservieren. Das Publikum ist insgesamt ziemlich steif, keiner singt so richtig mit oder tanzt ordentlich, alle stehen nur rum und starren ihn an. Die ersten zwei Reihen sind reine Groupies, Mädchen wollen nur Spaß haben – das singt er zwar diesmal nicht live, aber wir kennen das ja. Bezaubernder junger Herr im karierten Hemd, die Posaune von Boys don’t cry imitiert er erstaunlich echt, sein Begleitmusiker zaubert mit einem winzigen DDR-Kinderpiano rum. Nach dem Konzert möchte ich mein Album für meine Vermissten-Meldung signieren lassen, aber keiner von uns beiden hat einen Stift. Er sagt, er bringt die Gitarre weg und würde danach wieder kommen. Das hat er wohl vergessen, und nach einer langen Weile lande ich doch auf der Tanzfläche.
Deswegen bin ich hier, irgendwie sollte ich mein Leben nicht mit Warten verschwenden, und auch nicht mit Vermissen. Die Indie-Disko, heute Karrera Klub, hat anscheinend in Berlin ein aufrichtiges Nachwuchsproblem, wo sind die Leute? Es gibt zwei Tanzflächen, die sich gegenseitig kannibalisieren, der eine DJ spielt dem anderen die Leute rüber. Was auch definitiv fehlt, ist eine richtige Indie-Jugend, bei uns sind das Jungs, die wie Oasis oder vielleicht der Sänger von den Kooks aussehen, und Mädchen mit Seitenscheiteln und gepunkteten Shirts. Indie ist in Berlin anscheinend ziemlich gestorben. Das Heimweh ist auf einmal richtig groß, am Ende ist genau der richtige Punkt erreicht, der die lange Fahrt wie einen Segen erscheinen lässt. Aber Jungs weinen nicht, und Mädchen wollen nur Spaß haben – das sollte man sich auf die Innenseite der Stirn schreiben lassen, mit einem Laserschwert.