
Nach einem Gespräch und einem Blogbeitrag von Lisa über das Phänomen Modeblogs und Modeblogmode möchte ich an dieser Stelle eine Lanze brechen für Jeans und T-Shirts. Und ja, ich meine nicht Tops, sondern das gute alte Rundhals-Shirt. Mädchen in Modeblogs tragen keine Rundhalsshirts, im Leben nicht. Sie tragen oft irgendwelche sackartigen Oberteile zu Röhrenjeans oder Leggings. Meistens denke ich: huch, da fehlt doch noch ein Rock drüber, man kann doch nicht nur mit Strumpfhose auf die Straße. Ich besitze auch etwas Ähnliches wie eine Leggings, ich nenne es Ski-Unterhose und trage es bei Außentemperaturen von minus zehn Grad unter Jeans. Das mit dem Geschmack kann jeder halten wie er will, und tatsächlich finde ich Modeblogmode höchst interessant, auch wenn ich selbst nicht so auf die Straße gehen würde. Meine eigenen modischen Wurzeln liegen viele Jahre zurück und haben mit Skaten und Hip Hop zu tun. Ich hing mit Leuten rum, die ihre Schuhe mit Socken ausstopften, damit sie dicker aussahen (wirklich!), Inline-Skater und Karotten-Hosen waren das Uncoolste, was wir uns vorstellen konnten. Viele Dinge von damals haben sich in meinem Bewusstsein gehalten, aus Baggy Pants wurden „normal weite“ Hosen, die riesigen Skater-Schuhe wurden gegen schlankere Turnschuhe ausgetauscht. Mein Kleiderschrank beherbergt durchaus auch Kleider und Röcke und hohe Schuhe, in denen ich mich aber meist verkleidet fühle. Mein Lieblings-Shirt ist der Astronaut mit Ghettoblaster, danach kommt das graue Shirt mit den Feuerwehr-Männern. Dem Phänomen Röhrenhose kann ich bisher auch an den meisten sehr dünnen Frauen und Männern nichts abgewinnen, irgendwie erinnert mich diese Mode an einen Heroin-Junkie-Chic oder an eine hungrige Armee. Diese leptosomen Körper sehen aus wie zu groß gewachsene Kinder, die Jungs ohne nennenswerte Muskeln, die Mädchen ohne Figur oder Kontur. Vielleicht ist das auch so eine ähnliche Geschichte wie mit den verlorenen Jungs bei Peter Pan – ein Statement dafür, nicht zu Männern und Frauen zu werden, sondern alternde Teenager zu bleiben.
Erstaunlicherweise wirkt es durch die Allgegenwärtigkeit dieser Modeblogmode so, als würden alle jungen Menschen so aussehen – aber an einem ganz normalen Nachmittag in einer Fußgängerzone trägt vielleicht einer unter zehn Leuten ein solches Outfit. Charmant ist höchstens die Art und Weise, wie sich Modeblogger selbst fotografieren – und was das über sie aussagt. Wenn ich ein Modeblogger wäre, müsste ich mich wohl ständig für meinen Gesichtsausdruck und meine Puschelfrisur auf diesen Bildern entschuldigen. Was dringend fehlt, ist aber wirklich ein andere Streetstyle-Blogkultur – Outfits, die nicht aussehen, als wären sie direkt von einem Laufsteg gefallen, sondern von echten Menschen an einem ganz normalen Tag getragen und fotografiert.
Für alle, die nicht wissen, worum es geht, hier eine lose Auswahl von Mode- und Streetstyle-Blogs (ohne jegliche Wertung & in alphabetischer Reinfolge):
Bees and Ballons, Bohemian Musings, Facehunter, Fashion Toast, Glamcanyon, Laelitah, La Lila, Lea loves, Les Mads, The Sartorialist [noch mehr Auswahl findet sich in der ausführlichen Blogroll von Les Mads]
17 Antworten bis hierher ↓
Steffi // Dezember 16, 2008 um 11:47 |
Hi, dieser Post ist so lustig, da muss ich einfach mal hallo sagen. Ich mag Modeblogs und er spricht mir aus der Seele
Ich bin über einen Kommentar auf dem Posie gets Cozy Blog zufälligerweise mal auf dein Blog gestoßen.
Lustigerweise hab ich dich vor kurzem in der U-Bahn gesehen… leider hab ich nicht hallo gesagt weil mein Glaube daran Menschen aus dem Internet im realen Leben zu begegnen innerhalb der paar Sekunden nicht hergestellt werden konnte…
steffi // Dezember 16, 2008 um 11:53 |
danke schnitzel.
aus dem theaterwissenschaftlich-soziologischen gesichtspunkt sind sie ganz okey, diese puppen-tagebücher.
ansonsten einfach nur langeweilig bis grausam.
Tessa // Dezember 17, 2008 um 12:13 |
toll toll toll. ich schreibe morgen auch noch was, dann haben wir fast eine kleine blogparade, oder auch diskurs;)
Tessa // Dezember 17, 2008 um 12:22 |
oh, und kennst du das schon?. Tights are not pants.
http://tightsarenotpants.com/
kuengfuesue // Dezember 17, 2008 um 12:26 |
Nein, kannt ich noch nicht, aber ich finde das Wort Pantlessness grandios.
Lila // Dezember 17, 2008 um 11:27 |
haha! sehr schön – und ich kann dich beruhigen: mein schrank ist voll mit rundhals-shirts from all over the planet und meine freunde tragen nach wie vor ihre skater-kluft mit dem einzigen unterschied, dasse die hosen nich mehr in die socken stecken und auf heroin sind. scherz beiseite, haste schon recht mit, wobei am ende freue ich mich über “inspiration”, für alles andere gehen ich eben mitags in die fußgängerzone und hab da meinen spaß…
Lisa // Dezember 17, 2008 um 4:41 |
Endlich. Bunte T-Shirts 4 life. Ich werd auch noch eine Reihe machen.
Liz’s blogging » The inner circle. The outer space. // Dezember 17, 2008 um 5:48 |
[...] ein Thema zu sein, über das sich durchaus zu reden lohnt. Ich sehe, man beteiligt sich. Auch Sue hat nun samt T-Shirt-Kollektionsphotos ihren Senf dazu gegeben, Tessa kündigt eine Stellungnahme [...]
frankfurtfashion // Dezember 18, 2008 um 1:40 |
ja, da hast schon recht mit deinem textchen… vieles ist im “realen leben” nicht wirklich tragbar – ich schreibe und blogge auch über mode und betrachte ich meinen kleiderschrak gehe ich mit manchen teilen wirklich nicht raus – es ist manchmal einfach nicht passend. das trägt man ein, zwei mal auf einer veranstaltung und dann fristet es ein schrankdasein… man darf sich als mode blogger einfach nicht zu ernst sehen …
drikkes // Dezember 19, 2008 um 4:01 |
Richtig.
Man sollte das Ganze aber auch nicht überbewerten. Bloggen und Mode passen einfach gut zusammen, weil es so einfach ist, die Einträge mit Inhalt zu füllen: Nicht lang texten, nur ein Photo und ab der Post.
Insofern sind natürlich nicht nur die catwalk-affinen Styleblogs überrepräsentiert – wer will schon jeden Tag Blue Jeans sehen. Aus oben genanntem Grund nimmt diese Form der Modeberichterstattung eben einen überproportional großen, virtuellen Platz in der gesamten Blogosphäre ein, der keineswegs die “realen” Verhältnisse widerspiegelt.
Ab und an schaue ich sie mir trotzdem gerne an.
Johanna Downey jr // Dezember 19, 2008 um 7:15 |
Ja, ich liebe dein Astronauten-T-Shirt auch sehr. Mein liebstes ist (Wer hätte das gedacht?) auch ein bedrucktes Rundhals-T-Shirt. Es zeigt einen jungen Mann, der eine Spüle repariert und allen Pennern, die mir auf den Bauch starren, seine Kimme… Moment mal, woher habe ich das Hemd nochmal…
Ich habe ein zweites Standbein für dich: Werde Stilikone!
Leila // Dezember 22, 2008 um 8:43 |
Hihi too funny.
Ich hab auch noch T-Shirts, aber sie stehen mir einfach nicht. Das wusste ich auch schon vorm Bloggen. Was solls.
earlmobile // Dezember 24, 2008 um 12:33 |
Jaja, threadless sei Dank…
So manch ein Kleiderschrank sehe kahl aus ohne diesen tollen Klamottenfundus.
(Achso: Tolles Blog übrigens…)
Lea // Dezember 29, 2008 um 2:48 |
haha, ich trage wirklich keine rundhals shirts. “im leben nicht”. und zwar noch nie. der kragen liegt da immer so eng am hals, da bekommt man beklemmungsgefühle! habe es früher oft probiert weil die shirts am merchandise meiner lieblingsbands meistens eben besagten rundhals hatten. alles was dabei rausgekommen ist, ist ein fein säuberlicher stapel an einmal bis nie getragenen shirts in der ecke meines schranks.
das mit den skaterwurzeln kann ich gut nachvollziehen, ich war da früher selbst ganz begeistert dabei und habe mich todesmutig von allen rampen und hafpipes in der action area, der ollen kunsparkost-halle und im ostpark gesürzt.
geblieben ist immerhin ein die begeisterung für die skater und snowboarderjungs. deswegen plädiere ich noch immer dafür die röhrenjeans an männern zu verbieten.
fine // Januar 18, 2009 um 5:39 |
Erstens: Ja, das mit den T-Shirts sehe ich auch so. Meine Lieblingsteile sind ebenfalls von threadless.
Zweitens: Freunde von mir (okey, ich gebs zu: ich auch) haben sich früher solche Abwaschschwämme in ihre Schuhe gepackt, um die skatermäßig ein bisschen aufzuplustern. Uiuiui.
vintagekids // Januar 24, 2009 um 1:12 |
Threadless hat immer wieder nette Motive.
Kennst Du das schon??
http://www.t-post.se/
June // Januar 27, 2009 um 1:38 |
Großer Beitrag. Du knallst deine Worte so dermaßen auf den Kopf des Nagels, dass es kracht.
Ganz prima geschrieben!