Happy Schnitzel

I don’t care if Monday’s blue.

Dezember 29, 2008 · 1 Kommentar

(via)

Es gibt so ein paar Phänomene, die sich durch den Alltag eines Werktätigen ziehen, man freut sich morgens manchmal auf den Feierabend, verabscheut manche Leute, die einem mittags den Schlachtruf „Mahlzeit!“ auf dem Weg in die Kantine entgegen schleudern, und zählt in zähen Meetings die Minuten, die einfach nicht vorbei gehen wollen. Darüber hinaus ist es ausgemachte Sache, dass man sich montags schon ziemlich auf den Freitag freut. Der Freitag, das ist so was wie der Steg zu einer Insel, wo man nur kurz Urlaub machen kann, dafür aber mit weißem Sandstrand und allerlei Verheißungen. Vielleicht ist er auch so was wie der sympathischste Tag, weil von ihm aus gesehen das Wochenende immer noch am längsten dauert.

Sich heute auf den Freitag zu freuen, das ist also eigentlich das Normalste der Welt, man ist mehr oder weniger prädestiniert dazu. Man kann sich aber auch wochen- und monatelang auf den Freitag freuen. Bei Fräulein Tessa ist auf knicken mehr darüber zu lesen, über den neuen Freitag, der bald kommt. Vor ein paar Monaten hörte ich zum ersten Mal überhaupt von der Zeitung, und als über ein großes Internet-Projekt gesprochen wurde, klickte ich auf die aktuelle Seite und fragte mich aufrichtig, ob das ein schlechter Scherz sein soll, den nur ich nicht verstanden habe. Vor zwei Wochen saßen dann mal alle Netzwerker an einem Tisch in Berlin, um die Sache endlich mal ein bißchen genauer anzusehen.

Dabei sah man erste Aufnahmen des Babys, wie bei einem Ultraschall konnte man noch nicht alles erkennen, aber dennoch eine prächtige Entwicklung feststellen. In wenigen Tagen kommt es per Kaiserschnitt zur Welt, im kleineren Kreis werden wir um den Brutkasten herum stehen und die Hände durch diese Schutzhandschuhe stecken, um den kleinen Körper zu berühren. In der Zeit werden die Kinderkrankheiten kuriert, vielleicht muss er noch ein bißchen künstlich beatmet werden. Und sehr bald kommt der Tag, an dem das Baby der Öffentlichkeit präsentiert wird, ähnlich wie im Zoo, wenn die nicht gefressenen Eisbärenbabys ihren ersten offiziellen Auftritt im Gehege haben. Das wird für viele Leute ein aufregender Moment, nicht nur für die Damen und Herren am Hegelplatz, sondern auch für die Leute auf der anderen Seite. Vielleicht sollte man noch Care-Pakete mit wolligem Inhalt an neon.de, jetzt.de, sueddeutsche.de und Co. schicken, damit die sich warm anziehen können.

Eigentlich spreche ich an dieser Stelle nicht über meine Arbeit – was ich für den Freitag genau mache, habe ich bisher sowieso niemandem richtig erklären können, in der Zwischenzeit war es wohl auch noch nicht greifbar, und „so ein Ding im Internet“, das hat die meisten Fragesteller zufrieden gestellt. Vielleicht ist es so eine Art Babysitter-Geschichte, bei der einige junge Leute sich um Dinge kümmern, die von den Eltern nicht so recht erledigt werden können. In Sachen politischer Bildung wird es dem Kleinen an nichts mangeln, aber was es heißt, heute jung zu sein und meinetwegen auch 2.0 und dieser ganze Firlefanz, da besteht noch Nachholbedarf. Ich werde ihm dann eines Tages bei seinem ersten Diskobesuch ein Bier ausgeben und halb belustigt, halb stolz seinen ersten Tanzversuchen beiwohnen. Bis dahin freue ich mich einfach noch ein bißchen auf den Freitag, auch mittwochs oder sonntags.

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