Beiträge vom April 2009

Dass die Füße immer kribbelnd einschlafen, bei jedem Schritt fühlt es sich an, als würde eine Packung Ahoibrause in den Zehenspitzen unter Wasser gesetzt, ein Brizzeln und Brutzeln. Dass die Maushand immer kalt ist, sogar noch kälter als die andere Tastaturhand. Dass man nie ankommt, auch wenn die Zahnbürste neben einem Darth Vader in einem Zahnputzglas steht, zarthellviolettlila. Die Zahnbürste, natürlich. Den Darth gibts nur in schwarz. Dass man die Handlung mancher Handlungsstränge drei Seiten später manchmal schon vergessen hat. Dass es sich manchmal gar nicht lohnt, die paar Seiten wieder zurückzublättern. Dass die Wurstfachverkäuferin einem nie mehr eine Scheibe Gelbwurst oder eine Wiener in die Hand drücken wird, mit der man eine Minute zuvor noch kleine Abdrücke auf dem Wurstthekenglas hinterlassen hat. Dass man nach all den warmen Tagen den Atem wieder sehen kann und das Wort Tröpfcheninfektion in diesen Zeiten eine neue Bedeutung bekommt. Dass man abends manchmal einen ganzen Packen Sätze übrig hat, die man tagsüber nicht in einen Raum werfen konnte. Dass auf manche ewiggestellten Fragen nie eine gute Antwort nachwächst aus den hauseigenen Responseelementen. Dass man immerhin so tun kann, als wäre man nicht wartenderweise auf dem Sprung, und dass das schon okay so ist.
Kategorien: Alltag · Leben

Junger Kopf sucht neues Zuhause ab 09/2009, primär in München. Graue Masse und Geistesblitze nachweislich vorhanden. Bisherige Denkstationen und Zeugnisse unter ueberkingersue[at]gmx.de und hier.
Kategorien: Alltag · Arbeit · Leben


Es ist jetzt schon ein paar Jahre her, dass ich dich das erste Mal an meinem total bevorzugten Weiher der Umgebung gesehen habe. Da waren ein paar von deiner Sorte, Unmengen eigentlich, aber ich, ich hab dich gleich erkannt. Gesehen und gewusst, das ist es. Du bist es. Jetzt läuft es seit ein paar Jahren, und ja, ja, du bist es, immer noch, immer wieder. Jetzt laufen wir seit ein paar Jahren, und ach, das ist es wirklich. Du wackelst mit dem Kopf voran, und wenn du eine bedrohliche Entfernung erreicht hast, kann ich gar nicht genug rennen, um da zu sein, wo du auch hinwillst, bis zu dem Tag, an dem die Vogelgrippe uns scheidet.
Kategorien: Alltag · Leben

Als biorythmisch spätschreibender Late Adopter kurz vor Einsendeschluss schütte ich noch spontan mein Herz für Blogs aus. Sagts aber keinem weiter, eigentlich spreche ich ja nicht so gerne über Gefühle und diese ganze Emoscheiße.

Eine sehr große Gefühlsanbahnung meinerseits ist der Blog Yeah you’re right. Ehrlich gesagt – er war es, denn der Inhaber hat mit dem Bloggen vorerst aufgehört. Der Grund, warum ich ihn trotzdem empfehle – insgesamt gibt das Archiv an die 340 Einträge her. Mit Nicci habe ich viel über Design gelernt, viele Fotos von Luftballons gesehen, und einen intensiven Reisebericht seiner Thailandreise gibt es auch. Und da wir grad bei Geständnissen sind: Er ist der einzige Blog in meinem Feedreader, der eine eigene Kategorie hatte und noch hat. Vielleicht legen wir alle für eine Petition zusammen.

HUNDERTMARK – eigentlich sind die Jungs plus Madame Lyddi ein ähnlich nettes Rudel wie die Wiesbadener Gang, nur eben mit dem Großstadtbonus und ohne Hasen. Dafür anders prima. Design muss sein, und immer wieder AH! und OH!

Eine der allergrößten Herzensangelegenheiten ist Ahoi Polloi. Jeden Tag gibt es da einen frischen Cartoon auf Moleskineblattwerk, passend zum Zeitgeschehen (heute feat. No Angels). Das Ganze in herzerfrischend böse. Meine Prognose: Wenn man diesen Blog im Wahlkampf verfolgt, reicht das als Berichterstattung völlig aus. Ich schwörs.
Ansonsten besucht ihr bitte jede einzelne Seite in der rechten Blogleiste, ihr wisst schon, die wohnen alle im Happy Herz.
Kategorien: Blogs · Liebe · Netzwelt


Vorher habe ich noch nie über Wiesbaden nachgedacht. Nicht aus Ignoranz, es erschien mir einfach noch nie als bedenkenswert, sondern einfach als hätte man das Wort schon gehört, aber weiter nichts. Und doch scheint es ein Nest zu sein, eine Ansammlung von guten Leuten, die ein bißchen wie TKKG sind, aber statt Hunden kleine Hasen haben. Hasen, die reden können, und dann machen die aus dem Nest so schöne Hefte und verschicken die an fremde Freunde aus dem Internet. Es scheint ein schönes Rudel zu sein, aus der Ferne, und man lernt da Wörter wie „ocheeso“, und vielleicht kann man nachts nicht schlafen, und im Internet brennt das Licht und die Jungs sind auch da. Schön, euch von weitem zu kennen, ihr seid ein prima Haufen. Und vielleicht helfe ich eines Tages beim Umzug, wer weiß das schon.
Kategorien: Alltag · Leben · Netzwelt

Das Gefühl, das Buch als Erster vollständig aufzuschlagen, den Papierrücken so durchzudrücken, bis der erste amtliche Knick drin ist, unretournierbar. Glatt und seidig, ich bin ein Paperbackleser. Ich mag Hardcover nur bedingt, der lappige Schutzumschlag stört im aufgeschlagenen Zustand, die Hände wissen nicht, wohin damit, der Lesefluss wird durch das rutschige Gefühl gestört. Ohne den Umschlag fühlt es sich nackt und rauh an, auf unangenehme Weise entblößt. Paperbacks also. Bücher teilen sich in diesem Regal in drei Kategorien: die, deren Handlung ich beim Lesen schon zu vergessen anfange; die, die mich beim Lesen bestens unterhalten; und die, die ich immer und immer wieder lese, nach Jahren noch Neues entdeckend. Radikal verändernd und lebensbegleitend, wie gute Freunde, deren längere Abwesenheit durch zu unachtsames Verleihen eine emotionale Leere ohnegleichen hervorruft. So wie zum Beispiel die Werke von Nick Hornby, die zu meinen essentiellsten Lebensleitfäden geworden sind, und die Perlen von David Sedaris, die ich nicht missen möchte. Insgeheim bin ich eine Mischung aus Rob und Will, den Protagonisten von „High Fidelity“ und „About a boy“, vielleicht weniger soziopathisch und mit einer kleineren Plattensammlung, doch der Grundtenor ist der gleiche. Und doch die Erkenntnis, dass ich verloren in den Neuerscheinungs-Abteilungen großer Buchhandlungsketten stehe und Klappentexte lese, oder mich angewidert durch die Rezensionen verwirrter Amazonleser grabe, auf der Suche nach dem nächsten großen Buch mit existenzerhellendem Inhalt. Und hier kommen Sie ins Spiel, verehrte Leser – ich brauche Ihre Empfehlungen, und zwar so viele, wie sie nur loswerden können. Das ist wichtig für unser gemeinsames Vorankommen, also seien Sie nicht zu schüchtern. Treten Sie an Ihr heimisches Regal, fühlen Sie die schönsten, lustigsten, entspannendsten und traurigsten Buchmomente noch einmal nach und schreiben Sie es mir dann hier als knallharte Empfehlung auf. Der spontane Bücherkauf, der sich primär an einem hübschen Titelbild orientiert, von der Oberfläche geblendet, macht nur in der Hälfte der Fälle wirklich Freude. Vielen Dank also, dass Sie Ihre wichtigsten Bücher mit mir teilen, es bedeutet mir wirklich viel.
Update: Während Sie hier schon ganz hervorragende Empfehlungen abgegeben haben (Tausend Dank!), können Sie sich an dieser Stelle an Frollein Mellcolms Textexperiment beteiligen. Die Erklärung dazu finden Sie hier.
Kategorien: Bücher · Leben

(Der Vergleich: Panda Poken Original und Fälschung)
Auf der re:publica 09 hatte ich viel Spaß, zumindest aus einigen hunderten Kilometern Entfernung. Im Verlauf der Konferenz kam das Thema Poken auf, und plötzlich wusste ich, dass ich einen Panda brauchte. Dringend. Ich bat einen Bekannten, mir einen elektronischen Panda aus Berlin mitzubringen. Erst deutete er an, dass es Schwierigkeiten in der Beschaffung gegeben hätte, dann meinte er, er hätte mir den letzten verfügbaren Panda besorgt. Die Übergabe fand in einem dunklen U-Bahn-Schacht statt, unserem üblichen Treffpunkt, er überreichte mir das Paket, nahm das Geld und sprang in die nächste U-Bahn. Zuhause öffnete ich das Paket, und war leicht irritiert. Irgendwie war der Panda größer und haariger als auf den Fotos, aber daran sollte mein Po:kenglück nicht scheitern. Beim dritten Versuch hatte ich seine Pfote in meinem USB-Eingang, er machte dazu einige merkwürdige Geräusche (Wie macht eigentlich der Panda?), und die Daten wollten und wollten sich nicht aufspielen lassen. Nach einigen Tagen die Erkenntnis, dass das wohl kein echter Panda Poken sein kann, sondern übelste Hehlerware aus Taiwan.
Von daher: Obwohl absolut unschüchtern, würde ich mich über die Maße freuen, ein Oster-Panda-Poken von Herrn Tapio Liller zu gewinnen.
Kategorien: Netzwelt · Spielzeug









Die nördlichste Stadt Italiens braucht keinen Strand und auch kein Meer, solange es die Riesenwelle am Eisbach gibt.
Kategorien: Alltag · Leben · München



Das Glück an der Nase der Löwen, mit einer einzigen Berührung zu übernehmen. Die Sehnsucht nach besseren Zeiten und das sichere Gefühl, zuhause zu sein. Kein Aberglauben, eher eine Mischung aus Tradition und Gewohnheit. Tausende Berührungen, die den Löwen die Schnauze auf Hochglanz polieren und die Überwindung, die es kostet, ausnahmsweise ohne Glücksstreichler vorbeizugehen.
Kategorien: Alltag · Leben · München

Ein winziger Hauch zwischen Loslassenlernen und chronischem Fallenlassen. Das Geräusch, ein Zerbersten einer Glasflasche auf Beton, der peinliche Moment, die Scherben, was bleibt. Solange die dicke Frau noch singt, wird nicht nach Hause gegangen, alle bleiben auf ihren Plätzen, jeder wünscht sich woanders hin. Keiner kommt hier weg. Keiner verlässt diesen Ort, bis es nicht amtlich angeordnet wird. Die Zwischenzeit drängt sich zwischen Gegenwart und Zukunft wie ein fetter Kater, ein Garfield der Momente. Worte und Satzbausteine zu Phrasen geschustert, desillusioniert von denen, deren Zug nie kommt, BahnCard 100 hin oder her. Meilensteine teilen die Zwischenzeit in mundgerechte Stücke, kleine Zeithäppchen, zäh zu kauen, grenzenloses Glücksgefühl löscht die innere Leere beim Runterschlucken. Als wäre nichts gewesen, als hätte es alles nicht gegeben, und niemand hätte was gesehen. Tipp Ex für die verpassten Chancen, Pattex für die Scherben, einen Laubsauger für den hartnäckigen Rest.
Kategorien: Alltag · Leben