
Alles kommt mir genau so bekannt vor, als hätte ich das schon mal gesehen. Fünf Jahre ist das her, diese Phase, nach den letzten Prüfungen und vor dem großen Danach. Die große Unruhe, die beginnt. Nachts wachliegen und darüber nachdenken, was vielleicht kommt, kommen könnte, kommen sollte und das, was dann wirklich kommt. Währenddessen die fremden Worte, dass schon alles irgendwie gut werden wird, beschwichtigend. Daneben das Sicherheitsbedürfnis, das mich bei zu schnellen Fahrten im Auto, bei ruckeligen Flugzeugrouten und unangenehmen Filmen im Kino beide Hände fest um die Sitzlehnen schließen lässt. Ich bin noch niemals Achterbahn gefahren, zahle seit meinem zwanzigsten Lebensjahr in eine private Rentenfonds-Versicherung ein und habe noch nie mein Konto überzogen. Kein richtiger Angsthase und kein Bedenkenträger, nur müssen beide Füße jederzeit fest auf dem Boden stehen. Da, wo ich sie sehen kann. Wäre ich noch wertekonservativer, würde ich vermutlich die CSU wählen müssen. Wäre ich noch wertekonservativer, würde ich sicher die CSU wählen wollen. Die Unruhe bleibt. Einen Teil des alten Lebensabschnitts in Kisten oder in Mülltüten stopfen, Wichtiges von Unwichtigem und den Dingen dazwischen trennen. Mit der einen Hand loszulassen, während die andere Hand noch nirgendwo sonst festhält. Die Disziplin, das Freierfallgefühl und die beiden leeren Hände auszuhalten, nicht irgendwas festzuhalten, das sich gerade in Armeslänge befindet. Dinge loslassen, die guten und die weniger guten, die Vorfreude gemischt mit dem übernächtigten Gefühl, das auch in der Dunkelheit keine Antworten findet. Was immer wieder fehlt, ist die astronautische Rückholleine für den Hausgebrauch. Die Ungeduld und das Gefühl, kein Mensch für ein Vielleicht oder ein Eventuell zu sein. Und während das Leben manchmal einfach keine Garantie und kein unverbrüchliches Versprechen gibt, kann man den Anker in der Zwischenzeit einfach so in der Hand halten. Auf einmal kommt der Moment, indem man sich wieder sicher ist. Dann werfen und einfach eine ganze Weile bleiben.

5 Antworten bis hierher ↓
ASinz // Mai 30, 2009 um 11:54 |
als Ü60: man ist immer allein
jens // Mai 30, 2009 um 11:59 |
Stürz dich rein.
Den eins ist sicher, der Grabstein.
jens // Mai 30, 2009 um 12:00 |
Wo ist hier die Kommentarkorekturfunktion?
Tilman // Mai 30, 2009 um 10:29 |
Ich kann das schon nachvollziehen, was Du da denkst. Aber alle Sicherheit ist trügerisch. Das wirst Du nach den ersten Enttäuschungen, die Dir von Menschen beigebracht werden, von denen Du das so nie erwartet hättest, merken.
Eigentlich gibt es nur das jetzt. Und damit keine Erwartungshaltung an das Morgen. Das macht entspannt.
Qu // Juni 5, 2009 um 7:37 |
Schön formuliert. Muss sagen, dass ich solche Phasen im Leben auch genieße. Nicht nur der Gedanke, eines Tages die CSU wählen zu wollen ist erschreckend. Meine Angst vor der Stagnation eines Ankers ist größer, als die vor dem freien Fall. Vielleicht eine Ansichtsweise, die Dich inspirieren könnte?