Happy Schnitzel

Beiträge vom Juli 2009

Juli 28, 2009 · Kommentare sind deaktiviert

lmu1

lmu3

lmu4

lmu2

Der Brunnen, in den ich als kleines Mädchen eine Münze warf. Das bedeute, dass ich wiederkommen würde, sagte mir meine Mutter damals. Das merkwürdige nur, dass ich nie lange bleiben wollte, in 9 Semestern in drei verschiedenen Studiengängen, keinen länger als drei Semester ausgehalten. Sie haben die Aula mit Ballons und Schleifen ausstaffiert, unsere Zeugnisse werden an dem Ort verliehen, an dem die Geschwister Scholl die Flugblätter von der Balkonbrüstung warfen. Ein riesiger Kloß im Hals und das Gefühl, dass ich gerne angekommen wäre in all der Zeit. Durchgestolpert wie ein kopfloses Huhn, zahllose schlaflose Nächte und der Druck, immer noch höher, weiter und schneller springen zu wollen. Zum ersten Mal tatsächlich konfrontiert mit der harten Realität, dass man als Siegfried nicht unbesiegbar ist, und dass die blattbedeckte Stelle immer gefunden wird. Die guten Momente gehen da ein bißchen unter, wie bei den meisten Trennungen. Und doch sind da die Ballons und die Schleifen, die vielen Menschen und die Aufregung eines großen Moments, Blitzlichter und Tränen, Sektgläser und  große Abschiedsworte all inclusive.

Kategorien: Leben

Für immer dein Wolfgang.

Juli 27, 2009 · 4 Kommentare

1

2

3

Dass sie sich verfahren habe, ja, das sei ihr einfach so passiert, eigentlich wollte sie zum Ammersee, und auf einmal war sie am Langwieder See. Da hätte sie mal vorher besser die Karte. Ja. Und nun sitze sie hier nur kurz im Westpark, um sich zu entspannen, weil das Wetter doch heute. Aber Wolfgang, da müssen wir jetzt wirklich noch drüber reden. Das ist eine, wirklich, ich glaube nicht, dass das mit euch passt. Ihre Stimme wird hier nun etwas schrill. Das sei nun mal einfach die Sorte Mensch, mit der sie nichts anfangen könne, sie habe es ja wirklich lange genug versucht, aber das ginge einfach nicht. Das ist vor allem die Sorte Mensch, die eine halbe Stunde vom Headset neben einem telefoniert, wo man gerade hier so schön und so weiter. Das ist die Sorte Mensch, die sich nicht einfach nur entspannt, sondern gleich die Seele baumeln lässt, und nicht irgendwas tut, weil es verdammt gut ist, sondern weil sie sich nun „auch mal was gönnt“. Ja, die Sorte Mensch, die da vorher nicht saß, weil man sich selbst dann doch nie daneben. Was er auch immer sagt, der Wolfgang, sie hört gar nicht hin, der Wolfgang, was soll er auch noch sagen. Am Ende ist das immer so.

Kategorien: Alltag

Free Willy.

Juli 20, 2009 · 8 Kommentare

b1

b2

Man ist erst zu alt für einen aufblasbaren Delphin, wenn man 40 ist oder ihn nicht mehr selbst aufblasen könnte. Das habe ich gehört. Ein einziges Mal könnte ich es schaffen, genauso wie beim Gymnastikball, danach wäre mir eine halbe Stunde schwindlig, mit dreitausend Sternen vor den Augen. Bei schönem Wetter könnte der Delphin auf dem Balkon sitzen, und die restliche Zeit in der Badewanne abhängen, in einer kleinen Pfütze Wasser, damit er nicht austrocknet. Ich wüsche mein Haar wegen der besetzten Badewanne nur noch einmal die Woche, dafür hätte ich öfter einen Hut auf, und selbst in der überfüllten Bahn wäre der Platz neben mir immer frei, was meiner Misanthropie in öffentlichen Verkehrsmitteln entgegen käme. Nur der Name ist noch ungewiss, ich meine „Flipper“ ist einfach zu ausgelutscht. Aber einen anderen Delphin kennt man auch nicht persönlich, höchstens partikelweise aus den Thunfischdosen. Am Wochenende, bei allerschönstem Freibadwetter gingen wir dann ins Freibad und setzen uns an den Rand des Kinderpinkelbeckens, um dem von minderjährigen Grobianen misshandelten aufblasbaren Krokodil Trost zu spenden. Was für ein schönes Zigeunerleben.

Kategorien: Leben

Here we go again.

Juli 12, 2009 · 12 Kommentare

b1

b2

Ein wenig fühlt es sich so an, als wäre man einen Marathon gelaufen. Die Erschöpfung lässt nur langsam nach, in kleinen Schritten. Das neue Gefühl ist noch nicht angekommen, das Danach, das Jetzt. Endlich den Nachtzug nach Lissabon zu Ende gelesen, in hundert kleinen Etappen seit Monaten dran rumgelesen. Die Handlung immer wieder verloren, und dazwischen bleibt auf den letzten Seiten nur die Frage: Und? Vielleicht muss man es aber auch nicht verstehen. Immer alles verstehen wollen bringt einen anscheinend auch nicht weiter.

Kategorien: Leben